Dieser Blogartikel widmet sich einmal mehr einer Publikation über Graz. Vorgestellt wird das Buch „Biografie (m)einer Straße. Grazer Wohnorte im Porträt. Ergebnisse eines intergenerationellen Mitmachprojekts“, das bereits 2023 im Verlag Klingenberg erschienen ist. Da ich es bereits zwei- oder dreimal für meine Recherchen zur Hand genommen habe, bin ich nun quasi dazu gezwungen, diese Publikation näher vorzustellen.

Inhaltlicher Aufbau
Jeder der Beiträge widmet sich einer Straße, was bereits der Titel des Buches – „Biografie (m)einer Straße“ – erkennen lässt. Vorgestellt werden unter anderem der Andritzer Hauptplatz, die Fontanstraße, die Friedrichgasse, die Gartenstadt, die Humboldtstraße, die Hüttenbrennerstraße, die Kaiserfeldgasse, das Schloss Messendorf, die Moserhofgasse, der Rehgrund in Graz-Kroisbach, die Theodor-Storm-Straße, der Viktor-Geramb-Weg sowie die Wastlergasse.

Die Autorinnen und Autoren verweben historisches Wissen mit persönlichen Erinnerungen – sowohl ihren eigenen als auch jenen von interviewten Personen – zu Kurzbiografien der genannten Orte. Ziel ist es dabei nicht nur, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen, sondern auch Perspektiven für die Zukunft aufzuzeigen. Auf diese Weise wird die Veränderung der Stadt auf einer Mikroebene sichtbar, nämlich am Beispiel konkreter innerstädtischer Orte. Zugleich sind diese „Biografien“ auch als Dokumente zu verstehen, die eine zusätzliche visuelle Ebene beinhalten: Das Projekt wurde filmisch begleitet, sodass zu jedem beschriebenen Ort ein Video entstanden ist, das per QR-Code abrufbar ist.
Das Buch entstand im Rahmen eines Projekts der Urania Steiermark und wurde vom Stadtmuseum Graz begleitet, das den Zugang zum Stadtarchiv Graz sowie den Austausch mit den dort tätigen Archivarinnen und Archivaren ermöglichte. Als Projektleiter fungierte der Verleger Heinrich Klingenberg, der das Buch auch herausgegeben hat. Die beteiligten Autorinnen und Autoren wurden somit im Sinne von „Citizen Science“ – ich übersetze es hier laienhaft als Forschung der Bürgerinnen und Bürger – in ihrer Tätigkeit als Historikerinnen und Historiker gestärkt.
Historische Zeitspanne

Nun, die meisten der vorgestellten Adressen wurden im späten 19. oder frühen 20. Jahrhundert bebaut. Es ist eine Zeit, die durch einen starken Bauboom geprägt ist. So schreibt Edgar Sterbenz in seinem Artikel zur Kaiserfeldgasse, dass zwischen 1885 und 1900 allein 1.800 Gebäude in Graz entstehen. Erwähnt seien hier nur einige Gebäude, die in diesem Zeitraum gebaut wurden und die mir auf die Schnelle einfallen: die Herz-Jesu-Kirche (Baubeginn 1881), das Hauptgebäude des Zentralfriedhofs (Baubeginn 1886), das Rathaus (Baubeginn 1887) oder das Hauptgebäude der Karl-Franzens-Universität Graz (Eröffnung 1895).
Edgar Sterbenz listet noch einige weitere Gebäude auf, die in dieser Zeit von dem, wie er ihn nennt, namhaften und umtriebigen Architekten Leopold Theyer (1851–1937) geplant wurden. Um diese Zeit entstehen auch die Häuser der – ich nenne es jetzt vereinfachend – Architektenfamilie Hönel, die Claudia Beiser in ihrer „Biografie“ zur Humboldtstraße erwähnt. (In diesem Zusammenhang verweise ich nochmals auf die Publikation von C. Beiser und G. Prügger (2025): „Vorgärten. Innenhöfe. Graz. Von der Gründerzeit zur Stadtökologie der Zukunft“, in der diese Architektenfamilie ebenfalls genannt wird.)
Rückblicke in die Kindheit
Ich persönlich finde besonders die Rückblicke in die Kindheit der Autorinnen und Autoren spannend. So wird eine städtische Landschaft beschrieben, die sich längst verändert hat und nur noch in den lebhaften Erinnerungen der Kindheit präsent ist. Es werden Namen ehemaliger Institutionen der Nachbarschaft erwähnt, die in gewissem Sinne kleine Zentren des Alltags bildeten. In den 1950er-/60er-Jahren waren es in Andritz der Kaufmann „Stanzer“, die Bäckerei „Kuchar“, der Fleischhauer „Habernigg“, das Kaufhaus „Reiterer“ oder die Milchabgabestelle „Daum“, die Brigitte Steingruber in ihrer „Biografie“ beschreibt.
Im Artikel zur Gartenstadt in St. Peter von Brigitte Dorfer und Irmela Kühnelt habe ich bereits hilfreiche Informationen gefunden, die ich wohl gleich für den nächsten Blogartikel nutzen werde. Es sei nur so viel verraten, dass es sich um ein Haus in der Marburgerstraße handeln wird.
In der „Biografie“ der Friedrichgasse wird wiederum die Fahrschule „Zako“ erwähnt. Diese unterhielt offenbar auch eine Fahrradschule, wobei Dutzende Kinderfahrräder – so erinnert sich zumindest Robert Engele – im Augarten nach Größe geordnet standen und gemietet werden konnten. Zufälligerweise habe ich in meiner Sammlung einen Handzettel wohl aus dieser Zeit, der über das neueste Angebot der Fahrschule informiert. Vielleicht schaffe ich es in Zukunft, noch etwas zu dieser Fahrschule zu formulieren.
Es sind jedenfalls solche Randnotizen, die für mich die Publikation „Biografie (m)einer Straße. Grazer Wohnorte im Porträt.“ besonders empfehlenswert machen. Sie verleihen dem Buch eine besondere Anschaulichkeit und lassen die Geschichte der Stadt auf sehr persönliche Weise lebendig werden.

