
Dieser Blogartikel versteht sich als Ergänzung zu „Ein Grazer Fiaker: Grazbachgasse 43. Teil 1: Wagenschuppen und Hofüberdachung“. Im Mittelpunkt steht diesmal die Familie Murath, die Nachbarn von Ludwig Puntigam. Eine kleine Warnung vorweg: Es werden hier vermutlich mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet.
Grazbachgasse 45
In den Akten zur Grazbachgasse 43 werden die Nachbarn Josef und Anna Murath wiederholt genannt. Nur in einem Akt werden sie ausdrücklich als Ehegatten bezeichnet. Zusätzlich wird Maria Murath als Mitbesitzerin des Hauses Grazbachgasse 45 angeführt.
Josef und Anna Murath werden in den Akten als Werksbesitzer in Feldkirchen bezeichnet. Aus diesem Grund wird die Gemeinde Feldkirchen ersucht, die Einladungen zu den erforderlichen Termine im Zusammenhang mit dem Schuppenbau weiterzuleiten. In zeitgenössischen Zeitungen ist von einer Farben- und Pappenfabrik in Wagram zu lesen, die zur Gemeinde Feldkirchen gehört. Josef Murath wird dabei als Fabriksbesitzer genannt. In dieser Fabrik ereignet sich 1924 ein tragischer Unfall, bei dem ein Arbeiter tödlich verletzt wird (u. a. „Grazer Volksblatt“, 10.02.1924).
Anhand dieser Akten lässt sich jedoch nicht eindeutig klären, ob es sich bei dem Josef Murath aus der Grazbachgasse 45 tatsächlich um denselben Josef Murath handelt, der als Fabriksbesitzer der Pappenfabrik genannt wird. Zwar tauchen die Vornamen Josef, Maria und Anna in diesem Zusammenhang mehrfach auf, doch handelt es sich dabei um äußerst verbreitete Namen dieser Zeit. Überspitzt formuliert: Die Grazerinnen heißen Maria oder Anna, und Josef fügt sich ebenso nahtlos in dieses biblisch geprägte Namensbild ein.

Jakominiplatz mit Zweispännern, Postkarte, Sammlung Fez Brook.
Der andere Murath
Das „Grazer Volksblatt“ berichtet im Mai 1892, dass in der Pfarre St. Anna am Münzgraben dem Kaufmann Josef Murath eine Tochter geboren wurde („Grazer Volksblatt“, 01.05.1892). Die Mutter des Kindes wird dabei nicht erwähnt – sie fungierte, zeittypisch, lediglich als Nebenzeugin der Geburt. Die Tochter heißt Anna.
Im Februar 1915 berichtet wiederum das „Grazer Tagblatt“ von einer Kriegstrauung zwischen dem Fähnrich des 5. Dragonerregiments Robert Schreiner und Anni Murath, „Tochter des Herrn Josef Murath, Fabriksbesitzers in Wagram bei Graz, und seiner Frau Marie, geb. Thewanger“ („Grazer Tagblatt. Abendausgabe“, 04.02.1915). Robert Schreiner war der jüngere Sohn von Franz Schreiner, Präsident der Ersten Grazer Aktien-Brauerei, und Marie Schreiner, geb. Lucheschitz.
Es scheint daher, dass es sich dabei nicht um den Josef Murath aus der Grazbachgasse 45 handelt. Zwar tragen die Frauen in seinem Haushalt dieselben Namen, sie nehmen jedoch andere Rollen ein: Anna ist seine Ehefrau, Maria seine Tochter – und nicht umgekehrt.

Möglicherweise handelt es sich bei dem Josef Murath – nicht aus der Grazbachgasse – um jenen aus der Schönaugasse 64. Dieses Haus gehörte ebenfalls einem Josef Murath, der in den Zeitungen als Pappenfabrikant in Wagram erwähnt wird. Im Hof dieses Hauses scheuten im Oktober 1908 jedenfalls Pferde, die erst im Augarten vom Fuhrknecht eingeholt werden konnten („Tagespost“, 17.10.1908). Erwähnenswert ist zudem, dass ein Franz Murath weder im Adressbuch von 1905 noch in jenem von 1910 als Eigentümer der Schönaugasse 64 aufscheint.
Josef Murath – nun jener aus der Grazbachgasse 45 – stirbt im Jahr 1926. Je nach berichtender Zeitung wird sein Alter mit 79 oder 81 Jahren angegeben. Das „Grazer Volksblatt“ berichtet dabei sogar zweimal vom Ableben des Josef Murath aus der Grazbachgasse 45: Einmal mit 79 Jahren, ein anderes Mal mit 81 Jahren. Dass er tatsächlich zweimal gestorben sei, erscheint höchst unwahrscheinlich, zumal zwischen den beiden Ausgaben keine zwei Jahre vergehen, sondern nur ein Tag („Neues Grazer Tagblatt“, 04.09.1926; „Grazer Volksblatt“, 03.09.1926 und 04.09.1926). In welcher Beziehung er zu dem anderen Josef Murath stand, kann an dieser Stelle auch nicht beantwortet werden.

