Die letzten drei Artikel haben sich dem Hitler-Besuch in Graz gewidmet. Sie haben mich recht viel Arbeitszeit und auch Kraft gekostet, da die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus nicht gerade aufbauend ist. Nebenbei musste ich natürlich meiner Lohnarbeit noch nachgehen, da mein Blog nur ein unbezahltes aber zeitintensives Hobby ist. Umso mehr habe ich mich auf einen einwöchigen Urlaub am Grundlsee gefreut. Dieser Blogartikel hat somit weniger mit Graz zu tun, sondern ist etwas für meine Rubrik „Unterwegs“. Wir bleiben aber in der Steiermark und es geht gemeinsam zur Pühringerhütte im Toten Gebirge.
Gewöhnlich wird Francesco Petrarca (1304–1374) zugeschrieben, dass er als Erster aus einem inneren Verlangen einen Berg bestieg. Was damals noch eine ungewöhnliche Unternehmung war, ist heute längst zum Volkssport geworden. Unzählige Menschen laufen alljährlich in teuren Wanderklamotten, aber auch in Flip-Flops, auf den Bergen herum. So ist es natürlich nicht verwunderlich, dass ich in der Sommersaison nicht ganz allein auf dem Weg zur Pühringerhütte war. Ich muss zugeben, dass ich recht froh darüber war, dass ich mich nicht in einer Menschenschlange vorwärtsbewegen musste. Mein ursprüngliches Ziel war eigentlich der Vordere Lahngangsee. Die Pühringerhütte hat sich einfach so ergeben.

Die Hard Facts
Mein Ausgangspunkt war der Ortsteil Schachen in Gößl am Grundlsee, wo sich praktischerweise ein Parkplatz befindet. Die Anreise mit Zug und Bus ist grundsätzlich möglich – allerdings sollte dafür ein Tag mehr eingeplant werden. Von Graz ist die Strecke mit den Öffis schlicht zu lang, um nach der Anreise noch gemütlich loszuwandern. Schließlich ist auch noch der Rückweg einzuplanen. An Unterkunftsmöglichkeiten rund um den Grundlsee mangelt es jedenfalls nicht. Ich selbst habe diese Urlaubswoche in der Pension Ladner verbracht, die ich empfehlen kann. (Das ist jetzt keine bezahlte Werbung!)
Die Tour zur Pühringerhütte wird auf dem Wanderschild mit 3 bis 4 Stunden, in einem Wanderführer sogar mit 5 Stunden angegeben. Ich selbst war irgendwo zwischen 3 und 4 Stunden unterwegs, wobei ich den Vorderen Lahngangsee nach etwa 3 Stunden erreicht habe. Den Weg würde ich nicht als sehr anspruchsvoll beschreiben. Ich bin selbst keine Berggazelle und habe noch dazu Höhenangst. Der Aufstieg ist zwar anstrengend, aber es geht die meiste Zeit durch einen Wald und es gibt keine Stellen, an denen wirkliche Absturzgefahr drohen würde. Nun, es ist und bleibt aber eine Bergwanderung, also ist es auch nicht so, dass es ein Spaziergang wäre. Ich habe jedenfalls Muskelkater bekommen, was mich an meiner mir selbst zugeschriebenen Ausdauer zweifeln lässt.

Bis zum Oberen Lahngangsee führt der Weg durch den schon erwähnten Wald. Bei meinem Aufstieg wurde dort gerade gearbeitet. Aus diesem Grund gab es auch eine Umleitung, die aber gut ausgeschildert war und die Wanderung, denke ich, nicht wesentlich verlängert hat. Alles ist gut ausgeschildert, sodass trotz vieler Bäume die Markierungen nicht übersehen werden können. Vor dem Vorderen Lahngangsee führt uns noch eine kurze Etappe durch ein Geröllfeld. Doch auch hier fühlte ich mich sicher, obwohl ich kein sehr erfahrener Bergwanderer bin – vielmehr ein Graz-Flanierer. Danach sind wir schon fast am ersten Etappenziel, dem Vorderen Lahngangsee, der zur Erholung und zum Fotografieren einlädt. Es ist davon auszugehen, dass wir dort aber nicht allein sein werden, jedenfalls nicht in der Hauptsaison.

Pühringerhütte ist schaffbar
Der Vordere Lahngangsee war zuerst mein eigentliches Ziel. Dort angekommen, hat mich meine Neugier weitergetrieben. Schließlich könnte ich ja etwas verpassen. Oder vielleicht noch besser: Ich könnte etwas entdecken, das noch nie jemand gesehen hat. So war’s leider nicht.

Der Weg vom Vorderen Lahngangsee bis zur Pühringerhütte dauert in etwa 40 Minuten, wenn man durchmarschiert. Er ist nach dem Aufstieg gut bewältigbar, ohne dabei wesentlich an Höhe gewinnen zu müssen. Er führt am Hinteren Lahngangsee vorbei, der rechtsseitig passiert wird. Er zeigt sich den Wanderfreunden nur von oben und bietet mit seinem grün-blau schimmernden Wasser einen schönen Anblick. Unterwegs kommt man außerdem an einer Alm vorbei, deren Namen ich mir nicht gemerkt habe. Ein Steinbock hat mir noch den Weg gekreuzt. Das letzte Stück zur Pühringerhütte vom Vorderen Lahngangsee hat mich jedenfalls mehr angesprochen als der Aufstieg durch den Wald. Die Zeit ist auch schnell verflogen, sodass ich bald die 1927 eröffnete Pühringerhütte erreicht habe. Die Steinhütte liegt oberhalb des Elmsees und fügt sich perfekt in die Landschaft ein.

Stärkung und Abstieg
Vor meinem Abstieg habe ich mich auf der Pühringerhütte mit einer echt leckeren Frittatensuppe gestärkt – immer noch keine Werbung. Angenehm war, dass die Hütte zu meinem Besuchszeitpunkt auch nicht überlaufen war, sodass ich den Ausblick gut genießen konnte. An diesem Wochentag war kein Bergwander-Zirkus unterwegs: kein Ansturm auf den Berg. Auf dem Rückweg konnte ich somit noch einige Fotos machen und etwas zu schnell runterlaufen. Der Grund war mein schlechtes Gewissen, da ich meiner Frau eigentlich erzählt hatte, dass ich nur bis zum Vorderen Lahngangsee wandern werde. Durch die Verlängerung meiner Strecke habe ich natürlich auch die Rückwegzeit überschritten und ich wollte nicht, dass sie sich Sorgen macht. Nach etwa 7 bis 8 Stunden war ich dann auch zurück.
Zusammenfassend kann ich die Wanderung nur empfehlen. Der Aufstieg und natürlich auch der Abstieg sind schon recht anstrengend und ziehen sich etwas. Der Weg ist aber sehr gut ausgeschildert, sodass ein Verlaufen nur wirklich schwer möglich ist. Gefährliche Passagen sind meiner Meinung nach nicht vorhanden, wenn der Aufstieg nicht gerade bei regnerischem oder verschneitem Wetter gemacht wird. Der Blick auf den Vorderen Lahngangsee und die Pühringerhütte entschädigt jedenfalls für die Mühe.

