Obwohl ich es zu vermeiden versuche, ist meine Privatbibliothek erneut um ein Buch angewachsen. Natürlich geht es um unsere Stadt Graz. Damit konnte ich den Kauf auch vor mir selbst rechtfertigen, denn schließlich dreht sich auf diesem Blog alles um Stadtgeschichte – und für meine Recherchen brauche ich immer wieder neue Publikationen.
Der Titel des neuen Buches in meinem Regal lautet: „Vorgärten. Innenhöfe. Graz. Von der Gründerzeit zur Stadtökologie der Zukunft.“ Vorab schon so viel: Der Kauf hat sich gelohnt.
Zuerst ein paar Eckdaten

Die Herausgeberinnen dieser 2025 im CLIO-Verlag erschienen Publikation sind Claudia Beiser und Gertraud Prügger. Frau Beiser ist vielleicht einigen Leserinnen und Lesern bekannt, da sie die Initiatorin und Vereinsobfrau der Grätzelinitiative Margarethenbad ist. Frau Prügger wiederum war lange Zeit für den Naturschutzbund Steiermark tätig. Gleichzeitig bietet sie seit 2012 ehrenamtlich Spaziergänge durch Grazer Vorgärten und Innenhöfe an, um nur einige ihrer Aktivitäten zu nennen.
Das Buch kann als Fortsetzung der ebenfalls von Frau Prügger gemeinsam mit Andrea Kleinegger 2003 herausgegebenen Publikation „Ein Blick in Grazer Vorgärten. Ein Beitrag zur Kulturhauptstadt 2003“ betrachtet werden. Gleichzeitig ergänzt es den Programmschwerpunkt des GrazMuseums, der sich in seinem Jahresprogramm 2024 der Beziehung zwischen Stadt und Natur widmete. Die in diesem Zusammenhang entstandenen Ausstellungen habe ich ebenfalls auf diesem Blog unter dem Titel „GrazMuseum: Stadt Natur“ rezensiert.
Was steckt drin?
In zwölf Kapiteln spannt das Buch einen Bogen zwischen Vergangenheit und Zukunft von Vorgärten und Innenhöfen. Dabei werden nicht nur Flora und Fauna beleuchtet, sondern auch aktuelle Herausforderungen wie der Klimawandel thematisiert. Elisabeth Mitterfellner bringt die Bedeutung der Vorgärten treffend auf den Punkt:
„Vorgärten bieten nicht nur ästhetische und soziale Vorteile, sondern tragen auch zur Bewältigung städtischer Herausforderungen bei. Angesichts der Auswirkungen des Klimawandels wie Starkregen und Hitzewellen können sie helfen, Umweltbelastungen zu verringern. Als Teil einer umfassenden Strategie fördern sie sowohl die Verbesserung des Wasserhaushalts als auch die Temperaturregulierung.“ (S. 131)
Im dreizehnten Kapitel bündeln die im Buch versammelten Autorinnen und Autoren ihre Sichtweisen in praktischen Tipps zur Gestaltung und Nutzung von Vorgärten und Innenhöfen.

Gründerzeitliche Gartenkultur in Graz
Mich interessiert besonders der historische Aspekt. Sanela Pansinger beschreibt in ihrem Artikel „Gründerzeitliche Vorgärten als Zellen der Urbanität“ den veränderten Zeitgeist des 19. Jahrhunderts:
„In der Zeit, in der Reichtum auf viele verschiedene Arten gemessen wurde, war ein eigener Garten ein sichtbarer Ausdruck von Wohlstand und einem privilegierten guten Leben. Der gründerzeitliche Vorgarten wurde somit zu einem Zeichen einer Gesellschaft, die den urbanen Raum nicht nur als funktionalen, sondern auch als ästhetisch wertvollen und immobilienaufwertenden Raum verstand.“ (S. 125)
Dieser Zeitgeist spiegelt sich auch in den Hönel-Bauten wider, die zwischen 1884 und 1936 entstanden. Georg Friedrich Hönel, 1851 in Bielsko-Biala/Galizien geboren, realisierte mehr als fünfzig Bauten, sein Sohn Hans Hönel setzte das architektonische Erbe fort. Die Familie trug somit aktiv zur Entwicklung der Gartenstadt Graz bei, die in der Broschüre „Graz. Die Gartenstadt zu allen Jahreszeiten“ so überschwänglich gewürdigt wird.

Zusammenfassende Empfehlung
Ich kann das Buch nur empfehlen. Die verständlich formulierten Artikel werden durch zahlreiche Fotografien aus Vergangenheit und Gegenwart ergänzt. Vor allem Leserinnen und Leser, die nicht ausschließlich Historisches suchen, sondern mehr über die Flora und Fauna in Grazer Gärten erfahren möchten, kommen hier auf ihre Kosten. Der Bezug zur Vergangenheit wird stets mit einem Blick in die Zukunft verbunden, wodurch ein lebhafter Eindruck von Graz als Gartenstadt entsteht.
Ein kleiner Minuspunkt: Manche Abbildungen könnten etwas schärfer und weniger verpixelt sein.
Wer noch von der Rezension nicht überzeugt ist: Am 31. Jänner 2026 um 11:00 Uhr findet eine Buchvorstellung mit Podiumsdiskussion statt. Ort: MORAWA Moser, Am Eisernen Tor 1.


Lieber Herr Christoph Pietrucha!
Besten Dank für Ihre ausgezeichnete Buch-Rezension samt ausführlicher Recherche.
Sie haben mir eine große Freude damit bereitet, ein Projekt, begonnen im Jahr 1998 mit der Dokumentation der 800 gründerzeitlichen Vorgärten, gekrönt mit der Buch-Präsentation im April 2025, nun so objektiv zu beurteilen. Danke für Ihre Vorbildwirkung, DAS POSITIVE UNSERER STADT GRAZ zu sehen und weiterzugeben. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Freude an Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit.
Herzliche Grüße von Gertraud Prügger, ehemalige Geschäftsführerin des Naturschutzbundes Stmk