Unverzichtbare Notwendigkeiten der Firma „Greinitz“

Tegetthoffbrücke und Hauptbrücke gegen Norden, markiert ist das Stammhaus der Firma „Greinitz“, Ansichtskarte, ca. 1920 – 1925 (geschätzt), Sammlung GrazMuseum

Im letzten Blogbeitrag ging es um einen Oberchauffeur der Firma „Greinitz“, der sich in Eggenberg ein Haus errichten ließ – im Artikel „(Gefangenen-)Baracke als Wohnhaus? Bergstraße 50“. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie sich der Mann sein Haus eingerichtet hat. Als Mitarbeiter der Firma Greinitz scheint die Antwort nahezuliegen: Das Unternehmen verfügte schließlich über ein breites Warensortiment, das sich sowohl zur Errichtung als auch zur Einrichtung eines Hauses eignete.

Firmengeschichte in Kürze

Hier ist nicht der Raum, um die Geschichte der Firma „Greinitz“ in ihrer ganzen Breite darzustellen. In den folgenden Absätzen wird somit die die Geschichte der Firma nur skizziert. Dabei orientiere ich mich an einer Broschüre von 1968, die anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der Firma erschien. Sie enthält neben dem historischen Abriss auch Fotografien, die die Entwicklung des Hauses dokumentieren. Die Broschüre ist in der Steiermärkischen Landesbibliothek ausleihbar.

Ansichtskarte, markiert ist das Stammhaus der Firma „Greinitz“ und eine Werbeschrift, gelaufen 1943, Sammlung Fez Brook

Die Anfänge der Firma reichen bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück. 1817 kommt der 1789 in Fürstenfeld geborene Carl Greinitz nach Graz. Zuvor hatte er unter anderem in einem Großhandelshaus in Warschau berufliche Erfahrung gesammelt und sich ein gewisses Vermögen erworben. In Graz steigt er als Teilhaber in die „Eisenhandlung Josef Drasenberger’s Wtw. & Com.“ ein, die ihren Standort am Fischplatz (heute Andreas-Hofer-Platz) hatte. Ab 1820 befindet sich das Unternehmen vermutlich bereits in seinem Besitz und wird auch unter seinem Namen geführt. Nach 14 Jahren zieht er sich 1832 aus dem Geschäft zurück; zu diesem Zeitpunkt wird der Firmenname in „Carl Greinitz & Comp.“ geändert. Zum Hauptgesellschaftsführer und Geschäftsleiter wird Johann Baptist Jungl ernannt.

In den Jahren 1834 und 1835 erwirbt die Firma mehrere Häuser in der heutigen Griesgasse, die einem Neubau weichen müssen, in dem die Firma fortan ihren Sitz hat. Das Sortiment wird stetig erweitert, wobei das Unternehmen weiterhin in Familienbesitz bleibt – auch Johann Baptist Jungl gehört zur Familie Greinitz. In den 1850er-Jahren übernehmen schließlich die Neffen von Carl Greinitz; passend dazu wird der Firmenname in „Carl Greinitz Neffen“ geändert.

Zusammengefasst wächst die Firma in den folgenden Jahrzehnten kontinuierlich. Um der Kundschaft das umfangreiche Sortiment zu vermitteln, erscheint 1881 das erste reich illustrierte Preisbuch der Firma. In Graz können Interessenten im „Eisenhof“ (Griesgasse 10) einen Überblick über die vielfältige Warenpalette erhalten. Doch auch in der Waagner-Biró-Straße unterhielt die „Greinitz“ Magazine. Eine weitere Niederlassung bestand in Triest. Ein bedeutender wirtschaftlicher Schritt erfolgt 1907 mit der Gründung der „Eisen-, Handels- und Industrie-Aktiengesellschaft Greinitz“.

Besondere Herausforderungen für die Firma stellen die beiden Weltkriege dar. Nach dem Ersten Weltkrieg gehen unter anderem wichtige Absatzmärkte verloren, gleichzeitig entstehen wirtschaftliche und soziale Probleme, die das Unternehmen zusätzlich belasten. Nach einer anschließenden Stabilisierungsphase markiert der Zweite Weltkrieg erneut einen entscheidenden Einschnitt in der Firmengeschichte. Zu den Folgen zählen unter anderem die Umstellung auf eine Kriegswirtschaft, ein Rückgang der Beschäftigtenzahlen sowie Bombenschäden in der Endphase des Krieges.

Plan mit den Standorten, Greinitz-Katalog von 1911, Sammlung Steiermärkischen Landesbibliothek

Eine erneute Stabilisierung kann erreicht werden, wobei die Firma im Rahmen der Österreichisch-Alpinen Montangesellschaft (ÖAMG) weiterbesteht. Mit der Auflösung der ÖAMG im Jahr 1973 endet auch die Geschichte der Firma „Greinitz“.

Ein reiches Warensortiment

Blicken wir kurz zurück, und zwar explizit in die Jahre 1908 und 1911. Aus diesen Jahren besitzt die Steiermärkische Landesbibliothek – die für mich stets eine wunderbare Schatzkiste ist, eine Bibliotheksmitgliedschaft ist daher dringend empfohlen – zwei „Preismitteilungen der Eisen-Handels- und Industrie-Aktiengesellschaft Greinitz“. Zwar liegen diese Mitteilungen zehn Jahre vor dem Bau des Hauses in der Bergstraße 50 durch den Oberchauffeur Franz Wagner, sie vermitteln aber einen guten Eindruck von den Einrichtungsmöglichkeiten um 1910. (Wer das nötige Kleingeld hat, kann für rund 150 Euro einen Greinitz-Katalog von 1930 auf eBay erwerben – Stand März 2026.)

In der „Preismitteilung“ sind die Waren sogar nach finanziellen Möglichkeiten sortiert. Weniger gut betuchte Personen können so „geldbörsensortiert“ einkaufen: Wer knapp bei Kasse ist, kann beispielsweise „Küchen-Einrichtungen zu 30 Kronen“ erwerben. Zugegeben, das Sortiment ist hier wesentlich bescheidener als bei den „Küchen-Einrichtungen zu 500 Kronen“. Dennoch umfasst es immerhin 29 Artikel, darunter schwarze Gussemail-Töpfe bis zu 2 Liter, verzinnte Schöpflöffel in den Größen 8 oder 6 cm, zwei Blechlöffel oder eine Kohlenschaufel.

Das Warensortiment ist jedenfalls enorm. Im Katalog von 1911 finden sich unter anderem Kochgeschirr, Besteck und Küchengeräte, aber auch Eisschränke mit verschließbarem Butterkühler, Abwaschtische, Bügeleisen, Haarbrenneisen, Öfen und Herde sowie Betten, Badewannen und Zimmerklosetts für die Notdurft. Erwähnt seien schließlich noch die feuersicheren Tresore und Vogelkäfige.

Unverzichtbare Notwendigkeiten

Aus meiner Sicht wäre – würde ich um 1910 mein Haus einrichten – der Klosett-Papierhalter eine unverzichtbare Notwendigkeit. Gemeint ist dabei die Ausführung mit Leuchter und Feuerzeug, um das Toilettenpapier auch in der Nacht zu finden. Ob dies tatsächlich feuersicher war, kann ich an dieser Stelle allerdings nicht beantworten. Dieses Modell findet sich jedenfalls im Katalog von 1908.

Für die Körperhygiene wäre wiederum der Kopfduschapparat essenziell. Eine Gebrauchsanweisung im Katalog von 1911 beschreibt dessen Funktionsweise, die mich durchaus überzeugt. An dieser Stelle kann ich jedoch nicht sagen, welcher der Artikel ein Verkaufsschlager und welcher ein Ladenhüter war. Was ich jedoch mit Sicherheit sagen kann: Bei „Greinitz“ konnte die Kundschaft gewiss etwas Interessantes, Unverzichtbares oder schlicht etwas zum Habenwollen finden.

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Die „Preismitteilungen“ sowie die erwähnte Broschüre befinden sich in der Steiermärkischen Landesbibliothek. Die „Preismitteilungen“ sind im „Nominalkatalog bis 1945“ unter dem Stichwort „Greinitz“ verzeichnet.

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