Bereits die letzten zwei Artikel – „(Gefangenen-)Baracke als Wohnhaus?“ und „Unverzichtbare Notwendigkeiten“ – widmeten sich (in-)direkt der Firma „Greinitz“. Auch dieser Artikel gehört zu dieser Serie. Diesmal geht es um den Vizepräsidenten der Firma, der am 17. Jänner 1925 sein vierzigjähriges Dienstjubiläum feierte. Namentlich handelt es sich um Karl G. Gigler, der zwischen 1920 und 1930 auch Präsident der Wirtschaftskammer Steiermark war, die damals noch „Kammer für Handel, Gewerbe und Industrie in Graz“ hieß.

Bei dieser Feier wurde auch ein „Konzerngedicht“ von Kommerzialrat Anton Köllensperger vorgetragen, das – zusammen mit der Sitzordnung – die vergangenen 100 Jahre überdauert und durch einen Kauf auf Willhaben in mein Eigentum überging.
Lebensskizze
Eine kurze Biografie zu Karl G. Gigler lässt sich in der WKO-Publikation „Tradition und Innovation. Die Geschichte der Wirtschaftskammer Steiermark und ihrer Präsidenten“ finden. Hier also nur eine kurze Zusammenfassung:
Karl Georg Gigler wird am 8. April 1865 geboren und entstammt einem alten Grazer Adelsgeschlecht, das sich im Laufe der Zeit dem Handel zuwendet. Sein Vater Karl Gigler d. Ä. eröffnet 1863 ein Geschäft in Marburg an der Drau, wo auch sein Sohn geboren wird. Gigler absolviert seine Ausbildung in Graz und sammelt anschließend Erfahrungen in verschiedenen Handelsunternehmen, bevor er 1885 in die Firma „Carl Greinitz Neffen“ eintritt.
Bei der Firma „Greinitz“ steigt er vom Disponenten bis zum Generaldirektor und Vizepräsidenten auf und leitet das Unternehmen von 1906 bis 1930. Zudem ist er von 1920 bis 1930 Präsident der Handelskammer Steiermark und in zahlreichen weiteren wirtschaftlichen Organisationen und Aufsichtsräten tätig. Darüber hinaus veröffentlicht er das Fachwerk „Technische Behelfe“, das als „Duden des Eisenhandels“ bekannt wird. Gigler lebt in Graz in der Alberstraße 9 und übersiedelt 1937 nach Wien zu seinem Sohn Herbert, wo er im Februar 1952 hochbetagt verstirbt.
Geschenke und Lobeshymnen für den Jubilar
Ein ausführlicher Bericht über das Dienstjubiläum von Karl Gigler wird im „Neuen Grazer Tagblatt“ (18.01.1925) abgedruckt. Darin werden auch die illustren Gäste namentlich aufgezählt, die ebenfalls auf dem Sitzplan verzeichnet sind.

Der Jubilar sitzt selbstverständlich im Zentrum. Direkt um ihn herum ist seine Familie platziert. In der ersten Reihe links und rechts von Karl Gigler befinden sich Vertreter wichtiger wirtschaftlicher Institutionen. Vor ihm sitzen die Verwaltungsräte der Gesellschaft Anton Köllensperger, Dr. Viktor Wutte, Robert Czerweny und Alfred Ebert, wobei im Zentrum der Gesellschaft förmlich der Präsident der Gesellschaft, Ing. Viktor Czerweny, thront.
Dr. Viktor Wutte skizziert die Geschichte der „Greinitz“. Dabei wird vor allem auf die Leistungen von Karl G. Greinitz Bezug genommen, der im Jahr 1925 bereits seit 40 Jahren in der Firma tätig ist. Der zuvor im Artikel als „Selfmademan“ bezeichnete Gigler wird dem versammelten Publikum als „ein Kaufmann modernster und großzügigster Art“ vorgestellt. Er wird mit einem kostbaren Ring, einem silbernen Jagdmesser, einer goldenen Medaille der Kaufmannschaft sowie mit einem Ölporträt seiner selbst beschenkt, das vom Künstler Julius Köhler angefertigt wurde.
Ein „Konzerngedicht“
Nun aber zum Konzerngedicht, dass vom Kommerzialrat Anton Köllensperger vorgetragen wird.


